Kreativer Tod

Habe ich den kreativen Tod erlitten? Hat mich das System derart klein gefaltet, dass der Kern nicht mehr sichtbar ist?

So und ähnlich fühlt es sich häufig an, wenn ich unter Beobachtung kreativ sein soll. Denn ich als Architektin habe ja gefälligst Funken zu sprühen, wenn mir jemand die Aufgabe stellt, mal eben ein Einfamilienhaus zu Papier zu bringen. Mir als kreativer Person sollten doch sofort Ideen kommen, wenn ich einen leeren Raum sehe.. hmm, jap. Sicher.

Diese Frage die mir schon seit einiger Zeit nachrennt…. Das Gefühl, welches jedes Mal in mir aufschwingt, wenn wieder mal jemand mit freudigen Erwartungen von seinem Haus erzählt…. Bitte lasst mich in Ruhe. Ich habe in den letzten 3 Jahren keinen Platz für Kreativität gehabt!

Und das bisschen was mir noch geblieben ist, gehört mir! Kleine Randbemerkung: zu meinem Besitzdenken muss ich wohl noch einen gesonderten Beitrag schreiben.

Werden Erwartungen der kreativen Leistungen an mich gestellt, ist da erstmal nur Leere… Im beruflichen Umfeld fühlt es sich an, als würde ich nur mit 50% meiner eigentlichen Kapazitäten laufen. Kalte, graue Luft.

Vor ziemlich genau 3 Jahren habe ich offiziell meine Selbstständigkeit begonnen und den Sprung in die ‚Selbstbestimmtheit‘ gewagt.

Tolle Aussichten boten sich mir direkt und ich erinnere mich noch, wie mein Sofa als Trampolin tapfer herhielt, als ich die Zusage meines ersten Kunde erhielt. Dies war der Beginn einer langen Liebe… der Liebe zu meiner neuen Komfortzone.

Da sich mein Umfeld, unbewusster Weise, noch ein wesentliches Stück tiefer im System befindet, als meine Wenigkeit, erhielt ich in der Regel Anerkennung in Form von folgendem:

„Wow, du kannst arbeiten wann du willst.“ oder „toll, du kannst auch mal einen Termin tagsüber wahrnehmen, ohne deinen Chef zu fragen“(!!!!) Wahnsinn, ist hier das einzige Wort was mir einfällt um auch nur ansatzweise eine Beschreibung für die vielen Rückkoppelungen zu finden, die sofort in meinem Kopf rum geistern. Denn die armen Menschen können gar nicht sehen, dass diese Entscheidung nichts bewundernswertes ist, sondern einfach nur natürlich sein sollte.

Denn jeder hat die Kapazitäten, das Recht und die Flügel ein selbstbestimmtes Leben zu führen! 

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Dies führt mich dann auch wieder zurück zum eigentlichen Thema… Sorry, für den kleinen Ausflug-

Seit 3 Jahren also befinde ich mich auf meinem Weg der beruflichen Selbständigkeit. Begonnen als freiberufliche Mitarbeiterin hatte ich große Pläne. Ein Imperium sollte es sein… bittschön. Da klingelt es immer wieder in meinen Ohren „Lehrjahre sind keine Herrenjahre…“ „lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach“

Die Lehrjahre, so dachte ich, hätte ich bereits mit dem Studium und der Kammeranwartschaft hinter mich gebracht. Und den Spatz, so nahm ich an, hätte ich lange genug in der Hand gehalten als ich bescheiden von der einen zur nächsten Festanstellung gewandert bin.

Joar, so bin ich nun angekommen an dem Punkt an dem ich meditieren dazu verwende eine Eigenschaft, die mich sonst ausgezeichnet hat, täglich aufs Neue zu erlangen. Meine Geduld… die habe ich nämlich ebenso verloren, wie meine Blitzideen. Ich meditiere mittlerweile um täglich geduldig zu sein und meine aufkommende Wut zu zügeln. Ich habe mir skills angeeignet, die meinen Schaum wieder runter pusten. Wie beim überkochenden Nudeltopf, pustet dann jemand von oben drauf, sodass sich der Schaum wieder legt.

Sehr schade, finde ich. Denn es gab Zeiten, da war ich stolz auf meine ausgedehnte Geduld. Genauso darauf, dass ich plötzlich in meiner Wohnung stand und Ideen bekam… Ideen, die ich auf der Stelle umsetzen musste. Alles stehen und liegen lassen und Material zusammen suchen. Hat meine Mutter schon früher genervt, wenn ich immer gebacken habe. (Auch hier sollte ich bei Gelegenheit mal einen Exkurs in meinen Backfanatismus geben).

Heute sitze ich also in meinem Büro und leiste stupides Abarbeiten. Kreativ werden nur noch im vorgegebenen Rahmen. Wirkliche Entfaltung der Persönlichkeit oder mal völliges aus der Haut fahren im kreativen Sinne, ist da nicht. Nach einer Weile wurde mir dies klar… Historisch verankerte Denkweisen rieten mir aber natürlich dazu, mich anderweitig zu betätigen und meine Karriere als Fundament zu nutzen. Eben nicht einfach in Luftschlössern zu leben… Ein weiterer Glaubenssatz, der mir von meinen Lebenslehrern vermittelt wurde. Nebenher Leidenschaften nach zu gehen, funktioniert nur eben leider als frischer Entrepreneur nur theoretisch.

So nehme ich Abstand und sitze im Luftschloss Nr. 17. Abstand von dem was mich zurückhält. Oder rede ich mir gerade meine gedanklichen Eskapaden wieder nur schön? Muss das Leben so sein? Ist es vorgesehen, dass sich Arbeit hauptsächlich zäh anfühlt?

Wieder im Luftschloss Nr. 17 entdecke ich da aber diese ganz andere Welt und werde fortwährend das Gefühl meiner Ketten nicht los. Diese Ketten, schräg hinter mir unbarmherzig verankert, die mich nicht los lassen. Diese Welt in der so viele Menschen sich bereits von Ihren Ketten gelöst haben. Hier möchte ich bleiben…

Es fühlt sich an, als sei ich betäubt. Als würde ich mich selbst nicht mehr fühlen können. Ich renne einem Ideal hinterher, welches mir durch die Gesellschaft auferlegt wurde. Höher, Schneller, Weiter… Aber um was es in meinem Leben wirklich geht, bleibt links liegen. Was wirklich meine Aufgabe ist, scheint nicht von Belang.

Ich habe mich entschieden… und ja, es soll so episch klingen, wie es sich liest.

Mein Job ist es, mein Herz zum singen zu bringen und mich nicht länger mit weniger zu begnügen. Denn gerade der ehrliche Gesang einer Bestimmung, ist es was anderer Herzen erblühen lässt. Da bin ich sicher.

Ich habe Großes zu geben, auch wenn es mir im Moment noch außer Reichweite scheint.

Maria

 

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