Mein persönlicher Horrorflug….

oder warum es wohl manchmal besser ist der Intuition zu folgen.

So sitze ich im Zug nach Frankfurt Flughafen und versuche noch schnell die letzten Aufgaben runter zu reißen, die es abzuarbeiten gilt. Den Blick starr auf den Bildschirm. Handy klingelt, kurzes Gespräch… Kaffee… Handy klingelt wieder, werde angetippt und auf das Handyverbot-Zeichen hingewiesen. Ich kann dem Impuls mit den Augen zu rollen nicht Widerstehen und bete mein Mantra herunter ruhig zu bleiben und Mitleid zu haben, da Ihre eigenen Gespräche mich meine Noise-cancelleling Kopfhörer aufziehen ließen.

Fühle mich flau und schiebe es auf das Arbeiten am Rechner und darauf nicht den Horizont beobachtet zu haben. Angekommen am Flughafen, mache ich meinen Weg zum Terminal. Da ich dieses Mal nur für ein paar Tage verreise nahm ich mir vor nur mit Handgepäck zu verreisen. Ich bin stolz auf mich, denn ich hätte noch weniger mitnehmen können.

Auf zum Gate und zum gewohnten Platz vom letzten Mal. Routinen sollen ja erfolgreich machen…

Habe das Gefühl wieder heim zu wollen und platziere den Wunsch im Whatsapp.

Zwei unterschiedliche Meinungen kommen zurück. Ich wollte natürlich nur eine hören, da es gerade keinen Weg zurück gibt in meinem Kopf. Auf nach Chiang Mai, zur Konferenz. Alles gebucht, viel zu viele Erklärungen und später der Gedanke „was wäre wenn“ – Zurück ist also keine Option. Also ignoriere ich mein flaues Gefühl und den Wunsch einfach wieder zurück zu fahren.

Mir stehen rund 12 Stunden Flug, 1x Umsteigen am Flughafen und eine Taxifahrt bevor.

Eingestiegen. Abgehoben. Eingeschlafen. Aufgewacht – gibt essen. Diesmal war ich schlauer, so nahm ich an, und bestellte mir vorab ein vegetarisches Menü. So kam dieses auch und schmeckte widerlich. Nach einigem Lesen, unterhalten und schlafen muss ich mich das erste Mal übergeben. Bitte lass es das gewesen sein und lass es einfach nur die Bissen gewesen sein, die ich von der Mahlzeit hatte.

Es wurde schlimmer und ich merkte meinen Kreislauf absacken. Hitzewellen und Übelkeit. Ich konnte nicht mehr an der Stelle sitzen und nahm an, dass es besser für alle ist, wenn ich in der Nähe des WCs bleibe. Es ist kurz vorm Frühstück und ich bin froh, dass alle beschäftigt sind und ich nicht in der Nähe des Essens sitzen muss. Es wird immer unangenehmer und ich muss mich wieder übergeben. Das kann wohl nicht mehr am Essen liegen.

Das erste mal werde ich gefragt, ob ich einen Artzt brauche.

Natürlich nicht…

Ich spüre immer mehr den Wunsch mich hinzusetzen oder noch besser, zu liegen. Wieder fragt die Stewardess im Vorbeigehen, ob ich einen Rollstuhl brauche um zum Anschlussflieger zu kommen. Nein, nein… das wird gehen. Da bin ich sicher.

Ich kann mich nicht mehr am Stehen halten und entscheide einfach mich auf den Sitz der Flugbegleiter zu setzen. Alle sind fertig mit dem Essen und müssen zur Toilette. In mir steigt latente Panik auf, keine Möglichkeit zu haben schnell auf Toilette zu können, wenn ich es muss. Alle sehen mich verwundert an.
Dies sollte meine kleinste Sorge bleiben. die Stewardess bringt mir ein nasses, kaltes Tuch und das tut wahnsinnig gut, bringt aber nichts. Wie bestellt kommt eine nette Stewardess und sieht mir wohl das Unvermeidliche an.

Mir wird heiss – Sie sagt, „i’ll call you a wheelchair now to the airport“.

Ich stimme dem zu. Ich habe keine Kraft mehr und sacke vollends ab. Sie stützt mich noch und legt mich auf den Boden. Tausend Hände und Augen auf mir. Gefühlt alle Passagiere über mir. Irgendwer fächert Luft und meine Beine sind in der Luft. Bekomme meine Augen nicht mehr auf und bekomme ein Sauerstoffgerät umgeschnallt.

Ich fühle mich langsam besser und mir wird mittlerweile kalt von der ganzen Luft. Bis kurz vor dem Sinkflug sitze ich auf dem Boden neben der Toilette mit Sauerstoffgerät. Nun muss ich mich zum Landen wieder auf einen Platz setzen. Die Übelkeit kommt zurück… Mist, kann doch nicht wahr sein! Ich wünsche mich einfach nur nach Hause. Wäre ich doch einfach umgedreht als ich noch konnte.

Nachdem alle das Flugzeug verlassen haben, stehe ich auch auf und mache mich auf zum Rollstuhl. Steht bereit und ich setze mich mit Erleichterung. Für die Crew steht fest, dass ich weiterfliege mach Chiang Mai und sie mich da jetzt auch hinbringen. Meine Gedanken kreisen aber einzig darum, wo ich mich auf der Stelle hinlegen kann. Wie ich auf der Stelle wieder nach Hause komme. Ich wiege ab und gehe die Szenario im Kopf durch.

Option 1: Sofort Rückflug organisieren. Dann geht es mir unter Umständen auf dem Rückflug nochmal so schlecht und wer weiß, was noch passiert dann.

Option 2: Im Flughafen Bangkok Ruheraum finden und schlafen. Klingt nach einer guten Option. Ich frage meinen „Schieber“ ob es das gibt und wo. Er meint verwundert, aber dann verpasst du doch deinen Anschlussflug. ich schweige…

Option 3: Augen zu und durch. Weiter mit dem Flieger nach Chiang Mai.

Ich bin nicht fähig jetzt eine wirkliche Entscheidung treffen zu können und bin einfach nur froh nicht laufen zu müssen. Hätte mich auch einfach dort in die Halle auf den Boden legen können. Mir ist alles egal. So lasse ich andere für mich entscheiden.

Werde durch die Sicherheitskontrolle geschoben. Direkt zur Immigration und an allen vorbei. Sogar bis zum Gate. Nicht mal da setzt er mich ab. Werde vorbei an allen Anderen direkt, in den noch leeren Flieger geschoben. Noch immer geht es mir nicht besser, im Gegenteil es wird wieder schlechter. Im wahrsten Sinne. Mir wird wieder schlecht und ich reiße vorsorglich die Lasche der kleinen Tüte oben auf, die für Notfälle gedacht ist. Wie dankbar ich für meinen Gangplatz bin! Wieder ekelt mich einfach nur die Vorstellung von Essen und es hebt mich als ich das Essen aus der Küche rieche. Wieder gehe ich auf Toilette und übergebe mich. Jetzt bloß nicht wieder komplett absacken, Maria. Nach mehreren Sicherheitsgängen auf die Toilette überstehe ich den Flug irgendwie und bin auch so dankbar dafür, dass ich nur mit Handgepäck unterwegs bin. Raus hier….

Im Flughafen suche ich fast panisch nach der ersten, freien Bank. Finde eine mitten im Trubel und denke nicht weiter nach. Dort liege ich 1,5 Stunden und finde Besserung.

Das Taxi bringt mich innerhalb von 10 Minuten in mein Hostel. Dort bekomme ich ein Bett und lege mich erleichtert ab. Wieder Übelkeit und Hitzewellen. Ich gehe zur Toilette in direkter Vorbereitung auf das was gleich kommt, beuge mich über und ….. weg. Einfach komplett weg. Will mein Magen mich verarschen? Also lege ich mich wieder hin und stelle fest, dass die Übelkeit nur verschwindet, wenn ich die Beine an der Wand nach oben lege. So versuche ich also mehr oder weniger zu schlafen. Sechs Stunden später habe ich das Gefühl wieder einigermaßen Mensch zu sein und vor allem wieder Herr meiner Sinne zu sein.

Die folgenden Tage verbringe ich nun mit Magenschmerzen. Schade denn, meine Lieblingsspeise in Thailand – Papayasalat – fällt aus. Ich traue mich erstmal nur an Reis.

Meine Bilanz aus dieser Geschichte:

Wann sollte ich meiner Intuition folgen und wann ist es einfach nur das Gefühl die Komfortzone nicht verlassen zu wollen? Vielleicht sollte ich ab und an nicht so streng mit mir sein. Manchmal ist es vielleicht auch einfach der Wunsch, den Erwartungen zu folgen. Mein Wort halten. Der dringende Wunsch, alles mitzunehmen. Oder der Geiz, das Geld nicht weg zu werfen, was ich ausgegeben habe.

So oder so, hat diese Geschichte meine Blick geschärft.
In Zukunft verwechsle ich Magenprobleme wohl nicht mehr mit Aufregung oder Anderem.

 

 

 

 

5 Kommentare zu „Mein persönlicher Horrorflug….

  1. Ich glaube dir das es ein Horrorflug war. Frage mich schon wo Du die Kraft hergenommen hast das durch zustehen. Bin jedenfalls froh wenn ich mein Marichen wieder 20 km, statt gefühlten 20.000 km, in meiner Nähe habe. bis bald meine Gute. ich umarme dich

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  2. Hallo Maria,
    erst einmal: Tut mir sehr leid, dass du so einen Höllentrip durchleben musstest. Ich hoffe, dir geht es nun besser? Dennoch ist es ein sehr schön geschriebener Beitrag. Ich mag deinen Schreibstil.
    Weiterhin viel Spaß beim Reisen und Bloggen 🙂
    Alles Gute,
    Pandalie (Pandalie Online)

    Gefällt 1 Person

      1. Absolut verständlich nach dieser Tortour kapituliert wohl jedes System! Hoffentlich wird es in ein paar Tagen besser. Hm… Ansonsten sollten Hefetabletten ganz gut helfen, damit man wenigstens ein bisschen was in dem Magen behält. Ich drücke dir weiterhin die Daumen, dass dein Bäuchlein wieder zur Ruhe kommt und du deinen Aufenthalt genießen kannst! 🙂

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